50 Jahre – 50 Vorträge: Wissenschaft für Neugierige

20.03.2015

Im Rahmen der Veranstaltung 50 Jahre - 50 Vorträge hielt Prof. Dr. Stefan Winter, Hochschullehrer an der Fakultät für Wirtschaftswissenschaft am 18.03.2015 einen spannenden Vortrag zum Thema:

„Bildungsgerechtigkeit und Hochschulfinanzierung“


Inhaltlich steht Herr Prof. Winter für folgende Thesen zur Hochschulfinanzierung:

Die Studiengebühren in Deutschland sind nicht abgeschafft, sie verbreiten sich vielmehr sehr schnell über das rasante Wachstum der Privathochschulen. Immer höhere Anteile der Abiturienten und Abiturientinnen stimmen entgegen der politischen Großwetterlage mit den Füßen für Studiengebühren.

Die wahren Gerechtigkeitsverletzungen im Bereich der Hochschulausbildung liegen im Numerus Clausus und den schlechten Betreuungsverhältnissen an staatlichen Hochschulen. Diese Mangelerscheinungen treffen ausschließlich Kinder aus ärmeren Bevölkerungsschichten, da sich Kinder aus wohlhabenden Haushalten von diesen Bedingungen Richtung Privathochschule freikaufen können und dies in immer größerem Umfang auch tun.

Die erhebliche internationale Mobilität von Akademikern in Verbindung mit einem gebührenfreien Studium erzeugt massive Gerechtigkeitsverletzungen gegenüber den deutschen Steuerzahlern. Allein die Auswanderung von Ärzten führt zu Verlusten der Bundesländer in Höhe von etwa 500 Mio. Euro jährlich. Dabei gehen die auswandernden Ärzte vorwiegend in Hochlohnländer wie die Schweiz und erzielen dort Topeinkommen, die deutlich über den Einkommen derjenigen liegen, die mit ihren Steuern die Studienplätze finanziert haben.

Die private Finanzierungspflicht anderer Ausbildungsgruppen (Handwerksmeister, Piloten, Heilpraktiker) bei gleichzeitig kostenlosem Studium für Akademiker verstößt gegen Gleichheitsprinzipien unserer Gesellschaft.

Eine Text- und eine Videofassung des Vortrags sind hier abrufbar.